Krippenspiel

Krippenspiel

von Hans Reinthaler

 

Das Vorwort des Dichters zu seinem Lyrikband „Da Zaubabrunn“ hat auch für sein Krippenspiel Gültigkeit: „Die bäuerliche Welt, die hier geschildert wird, gibt es nicht mehr. Auch ihre Sprache stirbt. Rosse, Pflug und Sense, der Knechte und Mägde einstmals bitteres und schweigsam getragenes Los und ihre trotz allem unerschütterliche Treue zum Herrn des Bauernhofes sind nur mehr Schatten einer mühseligen Vergangenheit. Soll man darüber trauern oder froh sein? Der Dichter wagt es nicht, ein Urteil zu sprechen. Er hat nur aufgeschrieben, was war. Unter den Knechten und fahrenden Handwerksburschen, die er kannte, war oftmals ein Herr voll Würde und Adel. Und unter den Herren, die sich in das Dorf seiner Kindheit verirrten, waren arme Söldner des Geldes, des Besitzes und der hastigen trügerischen Welt.“

Im Krippenspiel hat der Dichter die christliche Erlösungsgeschichte in diese Bauernwelt gestellt. Es spielt nicht in biblischer Zeit. Eine Bauernfamilie, Hirten und Gemeindehonoratioren stehen neben Maria und Josef im Mittelpunkt. Zwei Themen kommen in diesem an lyrischen und musikalischen Einlagen reichen Stück zum Tragen. Da ist einerseits der hartherzige Bauer, der „Leut-Ausjaga“ genannt, der durch eine gute Tat zu Glück und Erlösung beiträgt und andererseits der alte Hirte, der in Erfüllung einer alten Prophezeiung die Vollendung seines Lebens sieht.

Hans Reinthaler (1900 – 1964), der Offenhausener Mundartdichter, schrieb dieses Stück vor dem zweiten Weltkrieg. Es erlebte in früheren Jahren viele Aufführungen und wurde auch im Rundfunk gesendet. In seiner Heimatgemeinde wurde es vom theater offenhausen 1984 und 1987 aufgeführt. 

In unserer Inszenierung möchten wir keine statischen Krippenfiguren, sondern, eingebettet in deren naiven Volksfrömmigkeit, Menschen aus Fleisch und Blut samt ihren Schwächen und Stärken, zeigen. Der Widerstreit zwischen Nächstenliebe und Hartherzigkeit ist ein wichtiges Thema dieses volkstümlichen Spiels. Auch so manches, was vielleicht nur auf den zweiten Blick zwischen den Zeilen hervorgeht, wollen wir zugunsten eines lebendigen Theaters sichtbar und spürbar machen.  Der lyrische Charakter des Stückes erhält durch die vielen Lieder und die alte Mundart eine ganz besondere Note.

Kleines Mundartwörterbuch

glöcken – zurechtkommen ; stigatzn – stottern ; anttuan – nicht gewöhnt sein ;  pfugatzn – kichern  ; Aunga – Dorfwiese, Anger ; Halbscheit – Hälfte ; Budersaus – Butterschmalz ; Fiacht – First